Neues Deutschland 03.01.1978

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Er sang und stritt für die Revolution

Zu dem Fernsehfilm "El Cantor" von Dean Reed

"El Cantor" - ein Film, der dem Andenken des revolutionären chilenischen Sängers Victor Jara gewidmet war. Daß er am Neujahrsabend seine Bildschirm-Premiere erlebte, ist Ausdruck der Solidarität mit dem Volk Chiles, mit allen um Freiheit und Menschenwürde kämpfenden Völkern, einer Solidarität, die unser Denken und Fühlen besonders auch an diesem Tage bestimmt.

Dean Reed, der den Film unter Mitarbeit von Wolfgang Ebeling schrieb, inszenierte und die Hauptrolle spielte, ging es nicht um äußerliche Porträtähnlichkeit mit Victor Jara. Er stützte sich auf Tatsachen aus den letzten drei Wochen im Leben des Sängers der Unidad Popular, und er sang dessen Lieder in der hervorragenden Nachdichtung Gisela Steineckerts. Aber der Titel "El Cantor", der Sänger, zielt auf Verallgemeinerung.

"Jeder", so sagte Dean Reed zu seinem Film, "kennt solche Fakten: Tausende verfolgte, verschleppte, ermordete Patrioten in Chile, und andererseits aber Tausende, die dem Terror trotzen. In Diskussionen mit meinem Publikum habe ich jedoch festgestellt, daß es nicht immer leicht fällt, sich konkret mit Tausenden oder Millionen zu identifizieren. Mit einem einzelnen geht das besser. Da prägt sich ein Gesicht, eine Haltung, ein Schicksal ein. Da verkörpert der eine die Kraft und Erfahrung vieler. El Cantor soll ein Symbol sein, eines aus Fleisch und Blut."

Wir begegnen einem Helden, dessen rastloses Wirken als Künstler und Agitator für die Unidad Popular nicht zu trennen ist von der Liebe zu Frau und Kindern und Heimat. Es ist, trotz des tragischen Ausgangs und mit seinen erschütternden Sequenzen vom faschistischen Terror der Putschisten, ein Film geworden, der in seiner Tendenz kraftvoll wirkt, zuversichtlich, und sich dabei zum großen Gefühl bekennt. Die Lust am Leben wie die Kraft zum aufrechten Sterben des Sängers - beides führt Reed auf die unerschütterliche Überzeugung vom Sieg der Revolution zurück.

In rascher, gedrängter, spannungsreicher Schnittfolge wird vom unruhevollen Alltag der Revolution erzählt: Er bedeutet oft mühselige, gefahrvolle, beharrliche, aber auch beglückende Kleinarbeit, um die vom Kolonialismus überkommene Not des Volkes zu lindern; um Verbündete zu gewinnen; und um die immer dreisteren konterrevolutionären Anschläge abzuwehren. Die Begeisterung, mit der die Übergabe der ersten Arbeiterwohnungen gefeiert wurde, die Unbeirrbarkeit, mit der die vereinten Kräfte des Fortschritts der Sabotage und dem Terror der Faschisten entgegentraten, die Leidenschaft, mit der auf Massenkundgebungen für die Ziele der Unidad Popular gestritten wurde: Der amerikanische Sänger Dean Reed hat dies alles selbst miterlebt in seiner zweiten Heimat Chile, in der er - häufig an der Seite von Victor Jara - für die Unidad Popular sang und stritt. Vielleicht gelangen ihm auch deshalb als Autor und Regisseur häufig Szenen, die für die Zuschauer zum emotionalen Erlebnis wurden und ihr Wissen über Chile erweiterten, gewann seine Darstellung des Sängers bekenntnishafte Kraft und Ehrlichkeit des Gefühls. Sie teilte sich auch dem Darstellerkollektiv mit. Friederike Aust spielte die Frau des Sängers, die ihm zugleich Genossin, Kampfgefährtin war, mit beachtlicher Sensibilität und Wandlungsfähigkeit. In der Vielzahl der Episodenrollen prägten sich Gerry und Thomas Wolff ein, Frank Bey, viele bulgarische Darsteller in kleinen und kleinsten Rollen, die chilenischen Volkssänger Isabel und Angel Parra, die Mitglieder der Gesangsgruppe "Aparcoa".

Die Außenaufnahmen entstanden in Bulgarien. Hier fanden Dean Reed und der Kameramann Hans Heinrich ein geographisches Milieu, das dem in Chile nahekommt. Hier fanden sie Menschen, denen die fortschrittlichen Kräfte des chilenischen Volkes nahestehen wie Verwandte. So wurden die Dreharbeiten nicht selten zu spontanen Kundgebungen des Internationalismus, die dem Film in manchen Szenen den Charakter eines beeindruckenden Dokuments verliehen.

Peter Berger

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Letzte Änderung: 2015-02-20