Deutschlandradio Kultur 31.07.2007

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Kulturtipp

"Der Rote Elvis"

Dean spricht in Chile auf spanisch.

Moderator:
Tja, irgendwie war die Welt Anfang der 1970iger Jahre sicher nicht freundlicher, was die chilenische Linke beim Putsch der Militärs 1973 auf brutale Weise erfahren musste. Aber die Welt war doch einfacher einzuteilen in Rechts und Links. Der Traum vom Kampf für das Gute, Gerechtigkeit, Sozialismus: mit anderen Worten die Utopiefähigkeit war noch nicht aufgebraucht. Da war Reed schon ein lateinamerikanisches Teenageridol, da hatte sein Auftauchen auf dem Roten Platz in Moskau während einer Tournee durch die UdSSR schon einen Verkehrsstau verursacht. 1971 dann lernte er auf der Leipziger Dokumentarfilmwoche seine spätere Frau Wiebke kennen.

Wiebke Reed (eingespielt):
"Er war wirklich so'n Sunnyboy wie er im Buche steht, kann man nicht weiter erklären."

Moderator:
Ein Liebling der Massen und der Frauen, ein Held des Sozialismus, Projektionsfläche, Charmeur, ein politischer Kopf der in der DDR sein Publikum so erreichte wie es in den USA niemals möglich gewesen wäre, und einer der sich mit dem Regime verbündete.

Egon Krenz, damals Chef der FDJ (eingespielt):
"Wenn Sie meinen, ob wir um Dean Reed geworben haben, für ihn geworben haben: dann sage ich ja, natürlich."

Moderator:
Armin Mueller-Stahl, der mit ihm zusammen, auch das machte Dean Reed, in einem Film spielte, über Reeds Motive, in den Arbeiter- und Bauernstaat überzusiedeln (eingespielt):

"Er ist gegangen weil diese Ungerechtigkeit in seinem Lande ihn schon aufgeregt hat."

Leopold Grün hat in "Der Rote Elvis" viel Material zusammengetragen: Dokumente, Filmausschnitte, Interviews mit Kollegen, Verwandten, und den zahlreichen Frauen im Leben des Dean Reed, der am 22. September 1938 auf einer Hühnerfarm in Colorado geboren wurde. Aber eines interessiert Leopold Grün in seiner eindrucksvollen Dokumentation, die ohne jeglichen Kommentar auskommt, überhaupt nicht: dem Heldengesang der einen oder dem Hämegesang der anderen Seite, was für ein naiver Ami, der auf einen Staat wie die DDR hereinfiel. Dem will der Dokumentarist beileibe keine weitere Strophe hinzufügen. Die Widersprüche, die seines Lebens bleiben offen ausgebreitet.

Wiebke Reed, die Ehefrau, erzählt über das Prozedere der Scheidung (eingespielt):
"Und diese ganze soziale Ader die er hatte, die sind nachher in unserer Trennung, also da war nichts von sozial mehr zu spüren. Er hätte ja auch sagen können: ihr bleibt in dem Haus, ich suche eine Wohnung, oder... Ihr geht hin, egal wo, du kannst nach Leipzig zurückgehen mit dem Kind, mir egal, Hauptsache raus hier. Da haben Freunde auch gesagt: Das kann doch wohl nicht sein, der große Friedenskämpfer schmeißt Frau und Kind aus dem Haus."

Moderator:
Dean Reed erscheint in diesem differenzierten Porträt "Der Rote Elvis" als jemand der sich auch dann noch mit dem realen Sozialismus Ostberliner Prägung identifizierte als andere schon gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann protestiert hatten. Doch als der Freiheitsgesang des Wahlsozialisten nicht mehr sein Publikum fand, brach auch für Dean Reed die heile Welt des Sozialismus zusammen.

Leopold Grün zeigt einen Auftritt des Sängers im DDR-Fernsehen:
"Ich weigere mich einen Stempel zu haben, ich weigere mich, dass jemand sagt: Dean Reed ist der Friedenskampfsänger. Das bin ich a u c h, aber nicht nur."

Moderator:
Was er alles war, dieser Dean Reed, dem versucht sich Leopold Grün auf sehr kluge und nachdenkliche Weise zu nähern. Annäherung, was kann ein Porträt anderes sein, wo die Bruchstücke eines Lebens, verfehlt oder nicht, wer kann, soll, darf das beurteilen, wo die Bruchstücke als Gebrochenes, Kantiges sichtbar bleiben und für ein bestimmtes Bild sich jeder Zuschauer selbst entscheiden muss.

Dean singt: "Ich hab oft nach dir Heimweh..."

Moderator:
1986 dann der Selbstmord.

Dean singt: "...wenn ich im Traum zu dir heim geh..."

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Letzte Änderung: 2008-10-23